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Portrait Barbara Weidmann

Barbara Weidmann, Dozentin an der ABP

Weidmann, Barbara

Crossmedia-Journalistin


Barbara Weidmann ist Journalistin, Trainerin und Content-Chamäleon. Sie denkt Geschichten nicht in festen Formaten, sondern entwickelt sie für Text, Bild, Video, Audio und Social Media weiter. „Liquid Content“ nennt sich das heute: Der Kern bleibt, die Form passt sich Kanal, Zielgruppe und Nutzungssituation an.

Ihre Laufbahn begann bei ProSieben, unter anderem als Talkshow-Producerin, Reporterin, Chefin vom Dienst und Moderatorin. Später arbeitete sie als eine der ersten Videojournalistinnen Deutschlands und führte an der ABP die ersten Kurse dafür ein. Seit dem ersten iPhone produziert sie journalistische Beiträge mit dem Smartphone. 2023 erhielt sie den Mobile Journalism Award.

Seit fast 20 Jahren steht sie für die ABP im Seminarraum. Aktuell zeigt sie dort, wie gute Smartphone-Videos entstehen, wie sich Geschichten multimedial erzählen lassen und wie mit Canva starke visuelle Inhalte gelingen.

Ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit ist generative KI. Als TÜV-zertifizierte KI-Trainerin untersucht sie, wie KI journalistische und kreative Produktionsprozesse verändert: vom ersten Gedanken bis zum fertigen Text, Bild oder Video. Dabei interessiert sie nicht der nächste spektakuläre Hype, sondern die entscheidende Frage: Was macht Inhalte wirklich besser und wo beginnt der sehr überzeugend produzierte Unsinn? Genau deshalb gehören für sie Quellenkritik, Urheberrecht, Datenschutz und ein eingeschaltetes Gehirn immer mit ins Paket.


Fachgebiete

  • Generative KI für Text, Bild und Video
  • Agentische KI für Workflows und Automatisierung
  • Liquid Content und modulare Content-Architekturen
  • Multimediales Storytelling
  • Mobile Reporting und Smartphone-Video
  • Social Video und Content-Produktion

Fragen an Barbara Weidmann

Was müssen freie Journalisten heute zusätzlich beherrschen außer einer guten „Schreibe“?

Antwort: Sie müssen journalistisch arbeiten, multimedial produzieren und unternehmerisch denken. Alles am selben Tag.

Zur Recherche und zur guten Schreibe kommen Bild, Video, Audio, Plattformlogik, Rechte, Selbstvermarktung, Akquise, Kalkulation und inzwischen KI. Nicht jede*r muss alles auf demselben Niveau beherrschen. Aber wer nicht einschätzen kann, welches Format eine Geschichte braucht, welche Technik sich lohnt und wo ein Tool gerade nur beeindruckend aussieht, arbeitet schnell am Markt vorbei.

Das eigentliche Problem liegt allerdings tiefer: Medienhäuser entwickeln eigene KI-Tools, automatisieren Workflows und schulen ihre festen Teams. Freie sollen dieselben Standards erfüllen, haben aber häufig keinen Zugang zu diesen Systemen, Tests und Lernprozessen. Sie sollen mitfahren, stehen technisch aber gelegentlich noch am Bahnsteig.

Wer frei arbeitet, muss diese Lücke selbst schließen, mit eigener Zeit, eigenem Geld und ziemlich viel Eigeninitiative. Unternehmerisches Denken ist deshalb kein Zusatz zum Beruf. Es ist die Voraussetzung dafür, ihn weiter ausüben zu können.


Was verändert Liquid Content im journalistischen Erzählen?

Antwort: Liquid Content verändert zuerst die Reihenfolge im Kopf.

Bisher entsteht meist ein Artikel, ein Podcast oder ein Video. Danach beginnt das große Umarbeiten für Website, Newsletter, Social Media und alles, was sonst noch gefüttert werden möchte. Liquid Content setzt früher an: Nicht das Endformat steht im Zentrum, sondern das strukturierte Wissen dahinter - Fakten, Zitate, Bilder, Töne, Daten, Kontext und Metadaten.

Diese Bausteine lassen sich für unterschiedliche Kanäle, Zielgruppen und Nutzungssituationen neu zusammensetzen. Das ist mehr als Repurposing. Es ist eine andere Content-Architektur.

Für Redaktionen und Journalist*innen heißt das: weniger Doppelarbeit, bessere Wiederverwendung und mehr Ertrag aus einer guten Recherche. KI macht diese Logik erstmals in großem Maßstab praktikabel. Sie kann Inhalte strukturieren, verschlagworten, zusammenfassen und neu ausspielen.

Die journalistische Aufgabe wird dadurch nicht kleiner, sondern anspruchsvoller. Denn wer Inhalte beweglich macht, muss umso genauer auf Kontext, Herkunft und Qualität achten. Flüssig ist kein Synonym für beliebig.


Was ist derzeit der größte Trend beim audiovisuellen Erzählen?

Antwort: Dass generative KI gleichzeitig Produktion und Beweiswert verändert.

Auf der Produktionsseite rücken Arbeitsschritte zusammen, die früher getrennte Gewerke waren: Material sichten, transkribieren, übersetzen, synchronisieren, animieren, schneiden und für verschiedene Plattformen versionieren. Kleine Teams können dadurch schneller und vielseitiger produzieren. Das ist keine Spielerei, sondern eine ganz neue Produktionslogik.

Gleichzeitig können dieselben Systeme Stimmen, Szenen und Personen erzeugen, die nie existiert haben. Damit verlieren Bild und Ton ihren alten Sonderstatus als Beweis. Eine Aufnahme sieht nicht mehr automatisch deshalb glaubwürdig aus, weil sie technisch sauber produziert ist.

Für Journalist*innen und Kommunikator*innen reicht es nicht mehr, audiovisuelle Inhalte herstellen zu können. Wir müssen auch verstehen, wie synthetisches Material entsteht, wie sich Herkunft prüfen lässt, wann Kennzeichnung nötig ist und wo Manipulation beginnt.

Genau hier treffen sich meine Themen: audiovisuelle Produktion, Mobile Reporting und generative KI. Wer weiß, wie Bild und Ton gemacht werden, erkennt besser, wie sie täuschen können. Und kann die neuen Werkzeuge nutzen, ohne ihnen gleich das Denken zu überlassen.


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