UNSERE DOZENT:INNEN / UNSERE DOZENT:INNEN
Portrait Roland Spiegel

Roland Spiegel, Dozent an der ABP

Spiegel, Roland

Hörfunkredakteur, BR


Roland Spiegel ist Kulturjournalist, war bis Herbst 2026 Hörfunkredakteur beim Bayerischen Rundfunk mit dem Schwerpunkt Jazz und vorher zehn Jahre lang Kulturredakteur bei der Münchner Abendzeitung, zeitweise auch als Ressortleiter. Er schrieb über Oper, Konzerte (Klassik, Jazz und Pop) sowie Literatur-, Theater- und Filmkritiken und viele Personen-Porträts. Sein Interesse gilt gleichermaßen den Fugen von Johann Sebastian Bach wie der Musik von Joni Mitchell, John Coltrane, Norah Jones, der Beatles und vieler anderer mehr.

In seinen Seminaren vermittelt er unter anderem den Aufbau und die Arbeitsweise des Feuilletons. Er analysiert Sprache und Struktur von Kulturberichten, ordnet die Rolle des Feuilletons in Deutschland ein und arbeitet mit den Teilnehmenden an Theater-, Kultur- und Filmkritiken. Im Seminar „Musikjournalismus und Musikkritik“ stehen sowohl klassische Musik als auch Pop und Jazz im Mittelpunkt.



Fachgebiete

  • Musikjournalismus
  • Kulturjournalismus
  • Feuilleton
  • Theaterkritik
  • Filmkritik



Fragen an Roland Spiegel


Was macht für Sie einen guten Kulturtext aus?

Spiegel: "Ein guter Kulturtext ist bildhaft, sofort ansprechend und für Leser:innen geschrieben, die zwar Interesse, aber keine Fachkenntnisse mitbringen müssen. Der Text macht etwa Theater-, Konzert- oder Film-Erlebnisse nachvollziehbar und erläutert ihre Hintergründe. Er sollte Elemente einer Reportage haben und mit spürbarer Lust an sprachlicher Intensität formuliert sein."


Sie schreiben und sprechen über Musik von Johann Sebastian Bach ebenso wie über Duke Ellington, Keith Jarrett oder auch die Beatles. Haben Jazz und Pop Ihren Blick auf klassische Musik verändert – oder umgekehrt?

Spiegel: "Den Blick haben sie sowieso nicht verändert - aber die Feinheit des Ohrs. Durch meine Beschäftigung mit klassischer Musik (im Musikwissenschafts-Studium) habe ich gelernt, Kompositionen aus der Popmusik-Welt zupackender zu analysieren und in Texten zu erläutern. Durch den Jazz habe ich erfahren, wie lebendig und überraschend Musik sein kann, wenn sie sich von den Noten löst; seit ich viel Jazz höre, habe ich auch ein feineres Gespür dafür, welche Qualitäten die Interpretation klassischer Musik hat. Und durch die intensive Beschäftigung mit Popmusik ist mir klar geworden, wie viel Kunst darin stecken kann, Klänge zu schaffen, die möglichst viele Menschen faszinieren."



Kulturkritik bewegt sich immer zwischen persönlichem Urteil und journalistischer Einordnung. Wie persönlich darf eine gute Kritik sein?

Spiegel: "Sie sollte sehr persönlich sein. Denn ich sehe nur mit meinen eigenen Augen und höre nur mit meinen eigenen Ohren. Meine menschliche Wahrnehmungsfähigkeit ist sehr begrenzt. Wenn ich mir das beim Schreiben immer wieder bewusst mache, gerate ich weniger in Versuchung, den Leser:innen Urteile aufzudrängen. Meine Wahrnehmung ist eine von vielen möglichen. Das kann ich aber durch sehr persönliche und eindringliche Sprache zu einer Stärke des Textes machen: Denn dann ist mein Text ein unverwechselbarer, einer, der nur bei mir zu finden ist und nicht auf Hunderten anderen Foren."


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