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Portrait Michael Netsch

Michael Netsch, Dozent an der ABP

Netsch, Michael

Bewegtbild Consulting


Michael Netsch produziert seit 2001 Bewegtbildinhalte für TV und Web. Von 2007 bis 2014 war er maßgeblich am Aufbau des Videoressorts von Focus Online beteiligt, wo er auch heute noch immer wieder tätig ist. Anschließend arbeitete er als Director Marketing bei MultiBase und als Head of Digital Video bei BurdaStudios Pictures. In diesen Funktionen verantwortete er unter anderem die Produktion von Bewegtbildkampagnen, nutzwertigem Longtail-Content, Social Videos und Imagefilmen.

Seit 2018 entwickelt Michael Netsch mit seiner eigenen Firma Videostrategien für Unternehmen und Verlage und begleitet deren praktische Umsetzung. Sein Wissen aus den verschiedenen Bereichen der Webvideoproduktion vermittelt der studierte Amerikanist regelmäßig in Workshops. Dabei nutzt er für das Erstellen von Videos neben klassischen Tools wie Adobe Premiere oder DaVinci Resolve immer häufiger KI-gestützte Techniken.


Fachgebiete

  • Webvideoproduktion
  • Entwicklung und Umsetzung von Videostrategien
  • Bewegtbildinhalte für TV und Web
  • Nutzwertiger Longtail-Content
  • Social Videos
  • Imagefilme
  • KI-gestützte Videoberarbeitung


Fragen an Michael Netsch

Wie hat sich das Arbeiten mit Videos in den letzten Jahren geändert – und wie das Nutzer- und Nutzerinnenverhalten?*

Netsch; Beim Arbeiten mit Videos verändert KI gerade sehr viel. Manche Aufgaben, an denen man früher stundenlang gesessen hat, lassen sich heute in einem Bruchteil der Zeit erledigen – und häufig mit erstaunlich guten Ergebnissen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigentliche Gestaltung: Was will ich erzählen, welche Bilder brauche ich dafür, und wie baue ich meine Geschichte auf?

Beim Publikum sehe ich weiterhin dieselben grundlegenden Bedürfnisse: Menschen möchten unterhalten, informiert oder berührt werden. Für die Gestaltung ist entscheidend, in welcher Situation sie ein Video sehen. Wer beim Scrollen auf einen Beitrag stößt, braucht einen anderen Einstieg als jemand, der gezielt ein Lernvideo auswählt. In beiden Fällen muss ich einen guten Grund liefern, dranzubleiben.


Sie haben sowohl lange redaktionelle Videoformate als auch kurze Social Videos produziert. Welche Unterschiede werden bei der Konzeption dieser Formate häufig unterschätzt?

Netsch: Ich sehe zunächst einmal viele Gemeinsamkeiten. Ob ein Video dreißig Sekunden oder dreißig Minuten dauert: Ich muss Menschen für ein Thema interessieren, eine Botschaft vermitteln und ihre Aufmerksamkeit halten. Eine klare Idee und eine gute Dramaturgie braucht jedes Format.

Der Unterschied liegt vor allem darin, wie viel Raum ich habe. Bei einem kurzen Video muss ich sehr genau entscheiden, welchen Gedanken ich erzählen möchte und was ich weglassen kann. Ein längeres Format bietet mehr Platz für Zusammenhänge, unterschiedliche Perspektiven und Entwicklungen. Dafür muss ich den Spannungsbogen über eine längere Strecke tragen. Häufig wird unterschätzt, wie viel konzeptionelle Arbeit in der Kürze steckt: Ein gutes Social Video braucht eine eigene Idee und lässt sich nicht immer durch das Kürzen eines langen Beitrags gewinnen.


Mit der Smartphone-Nutzung hat sich nicht nur das Format verändert, sondern auch die Arbeitsweise. Welche Veränderungen sind am einschneidendsten?

Netsch: Für mich ist die größte Veränderung, dass Aufnahme, Schnitt und Veröffentlichung auf einem einzigen Gerät möglich sind. Ich kann direkt vor Ort mit dem Material arbeiten und schon beim ersten Schnitt feststellen, ob beispielsweise noch eine Einstellung fehlt. Das macht die Produktion schneller und flexibler.

Hinzu kommt, wie leistungsfähig mobile Schnittprogramme inzwischen sind. Auch auf dem Smartphone lassen sich mehrere Bild- und Tonspuren, aufwendigere Effekte und eine differenzierte Bildgestaltung umsetzen.

Besonders spannend finde ich, welche Kreativität dadurch freigesetzt wird. Viel mehr Menschen haben heute die Möglichkeit, ihre eigenen Geschichten als Video zu erzählen und Ideen einfach auszuprobieren. Die handwerklichen Grundlagen bleiben dabei wichtig: gute Bilder, verständlicher Ton und ein Gespür dafür, wie eine Geschichte funktioniert.


Bei welchen Arbeitsschritten bringt KI schon jetzt einen echten Nutzen – und wo ist der KI-Einsatz derzeit noch eher eine Spielerei?

Netsch: Den größten Nutzen sehe ich bei klar umrissenen Arbeitsschritten, die früher viel Zeit gekostet haben: Störgeräusche reduzieren, Sprache verständlicher machen, Untertitel erstellen oder bestimmte Bildbereiche für eine Farbkorrektur auswählen. Da kann KI den Arbeitsalltag erheblich erleichtern.

Beim vollständig automatisierten Schnitt gibt es vielversprechende Ansätze. Sobald es um Dramaturgie, Timing und die inhaltliche Gewichtung geht, braucht es aber weiterhin viele gestalterische Entscheidungen. Auch KI-generierte Videos sind inzwischen für bestimmte Aufgaben praktisch nutzbar, etwa für Visualisierungen oder einzelne ergänzende Einstellungen. Wie gut das funktioniert, hängt stark vom gewünschten Ergebnis ab.

Zur Spielerei wird KI für mich dann, wenn der Effekt keinen erkennbaren Beitrag zur Geschichte leistet. Entscheidend ist: Hilft mir das Werkzeug, meine Idee besser umzusetzen oder sinnvoll Zeit zu sparen?


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