Hans Moritz, Dozent an der ABP
Pressesprecher
Hans Moritz leitet seit 2024 die Pressestelle des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) und ist Sprecher der weiteren stellvertretenden Ministerpräsidentin Ulrike Scharf. Zuvor führte er mehr als 17 Jahre den Erdinger/Dorfen Anzeiger, eine Lokalausgabe des Münchner Merkur. Nach seinem Studium der Germanistik und Soziologie an der Universität Heidelberg absolvierte er ein Volontariat beim Tölzer Kurier. Es folgten Stationen als Redakteur beim Murnauer Tagblatt und als stellvertretender Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur. Seit 2015 ist er Dozent an der ABP und vermittelt Grundlagen des Zeitungsjournalismus.
Fachgebiete
• Presse- und Medienarbeit
• Lokaljournalismus
• Redaktionsleitung
• Blattmachen und Themensetzung
Fragen an Hans Moritz
Sie haben die Seiten gewechselt – vom Journalismus in die Pressestelle. Was hat Sie in ihrem neuen Berufsalltag am meisten überrascht?
Moritz: "Ehe eine Nachricht ein Ministerium verlässt, vergeht oft einige Zeit – weil sie akribisch geprüft wird, weil es Genehmigungsschleifen gibt. Einer der ersten Sätze, die ich auf der anderen Seite des Schreibtischs gehört habe, lautete: „Wir dürfen niemals eine falsche Botschaft senden.“ Auch was vermeintlich sicher ist, wird in jedem Einzelfall noch einmal geprüft.
Auf der anderen Seite erlebe ich den „Herdentrieb“ vieler Journalisten (hat mich schon immer extrem gestört). Da muss ein Thema bespielt werden, nur weil es alle anderen auch tun – und immer in derselben Herangehensweise. Manchmal wünsche ich mir einen Journalisten, der so rangeht: Wenn alle in eine Richtung laufen, probiere ich mal die Gegenrichtung.
Und: Ich wünsche mir Journalisten, die nicht von Vornherein davon ausgehen, dass alles (!) schlecht und unzulänglich ist, was Politik und Verwaltung tun…"
Wo entstehen aus Ihrer Sicht die häufigsten Missverständnisse zwischen Redaktion und Pressestelle?
Moritz: "Aus gar nicht so wenigen Fragenkatalogen, die unsere Pressestelle erreichen, lese ich sofort heraus, in welche Richtung ein Bericht gehen soll. Manchmal habe ich auch das Gefühl, der Bericht ist schon geschrieben, jetzt bedarf es rein der Vollständigkeit halber noch eines Satzes aus dem Ministerium. Das finde ich immer ein bisschen schade, weil ich dann auch die Neugier des Journalisten vermisse, was an einem Thema wirklich dran ist. Umso mehr freue ich mich über Gespräche mit Journalisten, die offen neugierig sind und auch mal sagen: „Jetzt erklären Sie mir bitte mal das Gesetz xy, damit ich es auch verstehe.“
Übrigens: Über „schlechte Presse“ ärgern wir uns gar nicht so sehr – wenn die Kritik fundiert ist, können wir daraus sogar lernen."
Warum ist Lokaljournalismus aus Ihrer Sicht bis heute so wichtig?
Moritz: "Weltnachrichten kommen aus vielen Quellen, lokale Berichterstattung oft nur (noch) aus einer. Lokalzeitungen berichten, was daheim passiert, was funktioniert und was nicht läuft – sie sind damit nicht nur wichtige Wächter der Demokratie. Lokaljournalisten zeigen oft aber auch, was gut läuft – und sorgen so für Stabilität und Vertrauen in Staat und Politik."
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